Der " Verzögerte Pfiff "

 

Als die FIFA den " Verzögerten Pfiff" einführte, glaubten die Experten, die Qualität des Fußballspiels weiter voranzubringen. Dahinter stand die Idee, dem Schiedsrichter die Möglichkeit zu geben, bei einem Zweikampf mit Foulspiel mit dem Pfiff einige Sekunden zu warten, um die Weiterentwicklung des Spiels zu beobachten.

Diese Gedanke löste die vorherige Bestimmung ab, nach der der Schiedsrichter sofort auf Vorteil entscheiden oder unterbrechen musste.

Man hatte richtigerweise erkannt, dass sich zum Beispiel ein Spieler, der in Strafraumnähe gehalten wird, losreißen und ein Tor erzielen kann. An dieser Situation lässt sich der "Segen" des "Verzögerten Pfiffs" deutlich machen: Der Schiedsrichter wartet, ob der gehaltene Spieler mit dem Ball weiterlaufen kann - dann pfeift er nicht - oder ob das Halten des Gegenspielers den Spielfluss unterbricht. Piff und Persönliche Strafe sind die Folge.

Die sinnvolle Nutzung dieses Ermessensspielraums zeichnet den guten Schiedsrichter aus. Er wird nur auf den Pfiff verzichten, wenn sich eine klare Vorteilssituation ergibt. Fällt daraufhin ein Tor, darf er sich selbst auf die Schulter klopfen.

Der "Fluch" dieser Bestimmung liegt in ihrer falschen Anwendung. Bei Fouls im Mittelfeld oder gar in der eigen Hälfte kann man von einer eindeutig klaren Angriffs-Situation nur äußerst selten sprechen. Wendet der Schiedsrichter dort den "Verzögerten Pfiff" an, kann ein Fehlpass leicht zu einem Vorteil für den Gegner führen oder ein Revanchefoul auslösen. Der Schiedsrichter hatte die Situation falsch eingeschätzt.

Wir warnen alle Kollegen, mit dem "Verzögerten Pfiff" zu großzügig umzugehen. Er muss auf einige wenige eindeutige Vorteils-Situationen beschränkt bleiben. Handelt der Schiedsrichter anders, trägt er häufig zu einer hektischen Spielentwicklung bei.

 

Quelle: DFB Schiedsrichterzeitung 05/2004 von Hans Ebersberger 

 

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